Zurück in die Zukunft der Zehn Gebote – 10 Gebote für die Wirtschaft – Ein Beitrag von Frau Marie-Luise Dött, CDU, MdB Bundesvorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer e.V.

Der Bund Katholischer Unternehmer wurde 1949 gegründet. Ihm gehören rund 1.200 Inhaber-Unternehmer, Selbständige und leitende Angestellte an. Der BKU ist in 36 Diözesan-gruppen gegliedert. In seinen Arbeitskreisen entstehen innovative Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik und zum Führen mit Werten. Der Verband sieht sich als Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Kirche und Politik.

Fragen nach Wahrheit und Werten haben Hochkonjunktur – gerade in Bezug auf unternehmerisches Handeln. Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise ist auch eine Krise der Werte. Einige Akteure, insbesondere in der Finanzbranche, haben in einer Art und Weise gehandelt, die sich ethisch kaum rechtfertigen lässt: Geprägt durch Gier, Unehrlichkeit und andere unmoralische Verhaltensweisen. Doch während das offensichtliche Fehlverhalten Einzelner in der Finanzkrise nicht zu entschuldigen ist, muss man auch anerkennen, dass es nicht immer einfach ist, soziale Verantwortung und christliche Werte im täglichen Leben und Wirtschaften tatsächlich umzusetzen.

Der Bund Katholischer Unternehmer, ein Zusammenschluss von rund 1 200 katholischen Inhaber-Unternehmern, Selbständigen und leitenden Angestellten, ist überzeugt, dass eine von christlichen Grundwerten geprägte Unternehmensführung eine tragfähige Grundlage für eine wirtschaftlich wie menschlich erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit ist. Diese Ansicht teilen viele Führungskräfte in der Wirtschaft – und suchen nach Orientierungshilfen und Leitfäden für werteorientiertes Verhalten im Alltag. Konkurrenz und Kostendruck suggerieren dort oft einen vermeintlichen Widerspruch zwischen ethischem und wirtschaftlichem Verhalten. Der BKU versucht, solche Leitlinien und Alltagshilfen zu entwickeln und zu zeigen, dass man diesen vermeintlichen Widerspruch häufig auflösen kann.

Auf der Suche nach neuen Wertvorstellungen kommt man regelmäßig auf die Zehn Gebote zurück. Sie bieten sich bei der Suche nach einem Wertekanon auch heute noch an. Sie sind zeitlos, kurz und leicht verständlich. Sie bieten einen klar gegliederten Wertekanon für die private und berufliche Lebensführung.

Als christlicher Unternehmerverband hat der BKUdiesen alttestamentlichen Dekalog in einer Arbeitsgruppe für heutige Unternehmer interpretiert und ergänzt: Zu den Zehn Geboten für Unternehmer im handlichen Postkartenformat oder als „Spielkarte“ für die Brusttasche. Dazu hat Professor Dr. Wolfgang Ockenfels, langjähriger Geistlicher Berater des BKU, ein erläuterndes Taschenbuch publiziert – gleich einem „Katechismus“.

„Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.“ Dieses erste Gebot interpretiert er als Verbot, materielle Dinge zu verabsolutieren. „Gewinnmaximierung über alles“ sei damit nicht vereinbar. Mit Blick auf den Unternehmensgewinn könne aber gleichzeitig der Zusatz „wie Dich selbst“ beim Gebot der Nächstenliebe als Aufforderung zum Gewinn ausgelegt werden: „Nur ein Unternehmen, das Gewinne macht, kann seinen Kunden dienen, investieren und Arbeitsplätze schaffen. Der Gewinn ist ein klares ethisches Gebot.“

Zugleich heißt es in unseren Zehn Geboten für Unternehmer zu diesem ersten Gebot: „Spiele Dich nicht als Herrgott auf.“ Dies mahnt zu einem fairen Umgang mit Mitarbeitern und insbesondere mit Untergebenen. Führungskräfte sollten mit ihrer geliehenen Macht über die ihnen anvertrauten Mitarbeiter sorgsam umgehen. Statt sich für allwissend oder allmächtig zu halten gilt es, auf das eigene Gewissen und die Mitarbeiter zu hören.

Der BKU wendet sich mit den 10 Geboten insbesondere an die einzelne Person des Managers oder Unternehmers. Es handelt sich nicht um eine Firmenethik, die den Mitarbeitern vorgelegt wird, sondern um eine Orientierungshilfe für jeden persönlich. Jeder, der Verantwortung trägt kann anhand des Leitfadens sein Handeln hinterfragen und prüfen, inwiefern es den eigenen moralischen Anforderungen genügt. Jeder Unternehmer, jede Führungskraft – sie alle müssen sich fragen, was sie produzieren, für wen sie produzieren und wie sie die Produktion und das Miteinander in ihrem Betrieb organisieren. Es geht dabei nicht um Idealismus. Niemand kann in allen Situationen höchsten moralischen Ansprüchen genügen – das ist unrealistisch. Der BKU möchte vielmehr Hilfestellung leisten für den Versuch, das sachlich Machbare mit dem moralisch Wünschenswerten in Einklang zu bringen.

Die Zehn Gebote gelten nicht nur für Juden, Christen und für Muslime. Sie sind vielmehr kulturgeschichtlich vielfach bezeugt und stellen eine Menschheitserfahrung dar. In ihnen werden die Bedingungen für ein gelungenes und glückliches Leben formuliert, und zwar für alle Bereiche und Berufe. Sie enthalten Grundwerte, die allen Menschen zugänglich sind und reziprok gelten: Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit. Sie legen ein Handeln nahe, das die religiöse und persönliche Sphäre, Ehe und Familie sowie das Privateigentum schützt. Sie bewähren sich in der Vertragstreue, in der Werbung und im Umgang mit den Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten.

Es liegt in der Verantwortung der Politik, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass der Ehrliche, der diese Tugenden lebt, nicht der Dumme ist. Unternehmer agieren in einem Wirtschaftssystem und einem bestimmten rechtlichen Rahmen. Die komplexen gesellschaftlichen und ökologischen Bedingungen, unter denen sie handeln, sind bei der moralischen Bewertung ihres Handelns zu berücksichtigen. Die Soziale Marktwirtschaft ist dafür grundsätzlich die geeignete Wirtschaftsordnung, die das Handeln der einzelnen sinnvoll koordiniert. Doch Regeln lassen stets Spielräume offen. Das ist notwendig und wünschenswert. Ohne Freiheitsspielräume kann man weder erfolgreich wirtschaften, noch sich moralisch bewähren. Doch somit können Gesetze moralische Verfehlungen nicht verhindern.

Es liegt vielmehr in der Verantwortung jedes einzelnen, die verbleibenden und grundsätzlich produktiven Spielräume tugendhaft zu füllen. Gemeinwohl ist nur zu erreichen durch Menschen, die sich ihren Mitmenschen verpflichtet fühlen. Als Christen, als Unternehmer, als Teil einer aktiven Bürgergesellschaft. Die Zehn Gebote sind ein guter Leitfaden dafür, der nach wie vor aktuell ist.

Marie-Luise Dött, MdB,

Bundesvorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer e.V.

10 Gebote für die Wirtschaft

Von Professor Dr. Wolfgang Ockenfels

Erschienen als Taschenbuch im Selbstverlag des BKU (ISBN 978-3-00-019903-5, 80 Seiten,
Kosten: 10 Euro plus Versandkosten

Zu beziehen bei: BKU, Georgstraße 18, 50676 Köln

Telefon: 0221-2723727

Mail: service@bku.de

Web: www.bku.de

Die Zehn Gebote für die Wirtschaft erhalten Sie dort auch kostenlos als Postkarte oder Spielkarte.

Zehn Gebote für die Wirtschaft (© Aktion Moses im BKU)

1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben

Spiele dich nicht als Herrgott auf und halte dich nicht für allwissend oder allmächtig. Höre auf dein Gewissen und auf deine Mitarbeiter. Sei kritisch dem Zeitgeist gegenüber und orientiere dich an bleibenden Werten.

2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren

Missbrauche Gott und die religiösen Symbole nicht zu Werbezwecken. Rede nicht von höchsten Werten, wenn du nicht danach handelst. Verstecke deine Geschäftsinteressen nicht hinter hohen moralischen Ansprüchen.

3. Du sollst den Tag des Herrn heiligen

Halte dir den Sonntag frei als Zeit der Rekreation, der Danksagung und des familiären Lebens. Respektiere die religiösen Ansprüche deiner Mitarbeiter. Achte darauf, zur Ruhe und Besinnung zu kommen in der Hektik des Alltags.

4. Du sollst Vater und Mutter ehren

Kümmere dich um Väter und Mütter, die sich für die nächste Generation einsetzen und somit die Zukunft sichern. Fördere den Einsatz älterer Mitarbeiter, so wie du jungen Menschen eine Chance gibst.

5. Du sollst nicht töten

Sorge dafür, dass dem Leben dienliche Güter und Leistungen in humaner Weise entstehen. Beachte die Menschenwürde, verängstige nicht deine Mitarbeiter und verhindere „Mobbing“. Vernichte nicht deine Konkurrenten. Sie sind notwendig für den Wettbewerb und sollen deine Leistung beflügeln.

6. Du sollst nicht ehebrechen

Sei nicht so mit einem Unternehmen „verheiratet“, dass deine Familie darunter leidet. Bedenke die Treuepflicht gegenüber deiner Familie. Sei dir auch der Loyalitätspflicht dem Unternehmen gegenüber bewusst, dem du zu dienen hast.

7. Du sollst nicht stehlen

Achte das geistige und materielle Eigentum anderer. Spreche ihnen nicht die Möglichkeit ab, bessere Leistungen zu bringen. Lass dich nicht korrumpieren durch Vorteile, die nicht in deiner Leistung begründet sind, und führe auch andere nicht in Versuchung. Sei treu in kleinen wie in großen Dingen.

8. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen

Unterlasse wahrheitswidrige Aussagen über Mitarbeiter, Kunden und Konkurrenten. Verspreche nicht mehr, als du halten kannst. Täusche nicht durch irreführende Verheißungen und Werbung. Bleib glaubwürdig.

9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau

Handle nie bloß nach Sympathie. Fördere keine Mitarbeiter, nur weil du eine persönliche Vorliebe für sie hast. Nutze deine Vormachtstellung nicht aus, um Mitarbeiter sexuell zu missbrauchen.

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut

Zügele deine Begehrlichkeit. Halte deinen Egoismus im Zaum. Vermeide die Laster des Neides und Geizes. Freue dich, dass auch andere Erfolge haben.

Heinz LORSE

Heinz LORSE

Heinz Lorse ist ein deutscher Experte für Strategische Unternehmensführung, Strategische Unternehmenssicherheit & Unternehmensschutz, integrale Berechtigungsmanagement- und Zugangssysteme, internationale Standards [IFS Food, C-TPAT]). Er verfügt über eine langjährige Führungserfahrung bei einem Marktführer der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Im Anschluss an seinen Wechsel in den Ruhestand ist er als Redakteur und Gastautor tätig.


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