Das Erbe der Flöhe – Ein Märchen!

Märchen oder Wirklichkeit?

Publiziert in: Das Märchenbuch für Manager: Gute-Nacht-Geschichten für Leitende und Leidende

Verlag: FAZ-Verlag, 9. Auflage

Autor: Jürgen Fuchs

Veröffentlich mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Das Märchen: Das Erbe der Flöhe

Ein Forscher hatte sich auf das Verhalten von Flöhen spezialisiert. Mit folgendem Experiment wurde er berühmt: In einem Glas-Zylinder, etwa so groß wie ein Männer-Hut, hielt er einen Stamm von Flöhen. Einigen gelang es immer wieder, über den Rand zu springen.

Im ersten Schritt der Versuchsreihe legte der Professor eine Glasplatte auf den Zylinder. Prompt stießen sich die wildesten Flöhe ihre Köpfe. Und nach kurzer Zeit sprangen alle Flöhe nur noch bis kurz unter den Deckel. Das blieb auch so, als die Glasplatte weggezogen wurde. Der Stamm hatte seine Lektion gelernt. Auch während der nächsten Wochen akzeptierten die Flöhe den nicht existierenden Deckel. Keines der Kinder und Kindeskinder sprang aus dem offenen Glas-Zylinder. Die Regel hatte sich sogar vererbt!

Als nächsten Versuchs-Schritt fixierte der Forscher eine exakt passende Glasplatte innerhalb des Zylinders – etwa 10 cm tiefer als der obere Rand. Gespannt wartete das Team auf den Moment als dieser Deckel weggenommen wurde. Wie erwartet: Alle Flöhe sprangen jetzt maximal 10 cm tiefer. Auch deren Kinder und Enkel. Der Professor senkte die Platte immer weiter ab. Die Flöhe passten sich immer schneller an. Bis sie zuletzt nur noch kriechen konnten. Der ganze Stamm hatte das Springen verlernt. Und alle seine folgenden Generationen.

Auf einer Konferenz der deutschen Bürgermeister sprach sich dieses Experiment wie ein Lauf-Feuer herum. Nach und nach wurde der Text von mutigen Amtsleitern am schwarzen Brett und sogar in allen Amtsstuben ausgehängt. Deutlich sichtbar – wie eine Urkunde eingerahmt. Als warnender Denk-Anstoß: „Wo will ich gerade den Bürger wieder platt machen?“

Und im Bundestag brachte das Floh-Experiment sogar einen Gesetzes-Entwurf zu Fall, mit dem die Helmpflicht in Kitas und Grundschulen eingeführt werden sollte. Jetzt dürfen unsere Kinder und Kindeskinder noch hüpfen und springen wie einst unsere Eltern und Großeltern.“

Ende des Märchens

Platt machen – Gemeinsamkeiten von Flöhen und Bürgern

Jürgen Fuchs ist für seine spitze und hintersinnige Feder bekannt. Durch seine Publikationen zieht sich wie ein roter Faden die Achtung vor den Menschen. Diese (und auch die Flöhe) sind zu hohen Sprüngen fähig, sofern sie nicht gedeckelt werden.

Im Märchen sind die Flöhe Teil eines Experiments und werden systematisch gedeckelt. Dadurch verlernen sie ihre angeborenen Fähigkeiten. Das Absenken der Glasplatte lässt sie diese verkümmern, bis sie nur noch kriechen können. Die experimentelle Konditionierung hat aus Spring-Flöhen … Kriech-Flöhe gemacht. Die Flöhe wurden platt gemacht!

Nun gut“, mag der geneigte Leser denken, „Flöhe halt!“

Dann ein harter Schnitt – der Hinweis, dass auch heute in der Wirklichkeit Bürger platt gemacht werden. Der Aushang in den Amtsstuben ist offenbar Realität: „Bürger platt machen!“.

Schutzhelme für Kinder in Kitas und Grundschulen – warum eigentlich nicht? An dieser Stelle mag man schmunzeln und sich die Kinderschar mit bunten Schutzhelmen vorstellen. Aber wie verwaltet man viele hundert Schutzhelme? Bedarf es gar eines „Schutzhelmbeauftragten“? Müssen etwa aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit Unisex-Helme getragen werden oder sollten die Jungs aus Gründen des Diskriminierungsverbots gemäß Schulordnung zum Tragen von Mädchenhelmen verpflichtet werden? Fragen, die unbedingt in der Landesschulordnung geregelt werden müssen.

Wie nahe sich die Fiktion an der Wirklichkeit orientiert, beschreiben die nachfolgenden Beispiele realer Experimente.

Geschlechtergerechte Sprache – ein Experiment am mündigen Bürger

Sprachlicher Weiberfasching“: „Die Einführung des generischen Femininums an der Universität Potsdam provoziert Reaktionen. „Professorin“ statt „Professor/Professorin“: Die Entscheidung des Senats der Universität Potsdam, in seiner neuen Geschäftsordnung das sogenannte „generische Femininum“ zu verwenden, wird im Internet und in den Medien heftig diskutiert. Während Befürworter von einem mutigen Schritt hin zu einer geschlechtergerechten Sprache sprechen, zweifeln Kritiker grundsätzlich am Sinngehalt solch einer Sprachreform.“ Quelle: http://www.pnn.de/potsdam/766591/

Die Potsdamer folgen damit der Universität Leipzig, die als erste deutsche Hochschule auch Dozenten oder Studenten in der weiblichen Form ansprechen will. Ein Interview mit der Rektorin Beate Schücking, „Wir waren nüchtern“, gibt Auskunft, wie es dazu kam und was man sich dabei dachte.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bildung/sprachreform-an-der-uni-leipzig-wir-waren-nuechtern-1.1689465

Man beachte: Alkohol war nicht im Spiel. Was dann? Offenbar soll ein Experiment darüber Klarheit bringen, wie weit man die Sprache und das Selbstverständnis der Menschen biegen kann. Denkbar, dass es sich auch nur um die Ouvertüre für weitere Experimente handelt, z. B. die Errichtung von Unisex-Toiletten …Das würde zumindest einen gewissen Unterhaltungswert garantieren.

Schilderpfosten und Poller mitten auf Radwegen in der Eifel – ein makabres Experiment

Anstatt die Verkehrsschilder neben der Fahrbahn anzubringen, wurden diese seit dem Jahre 2003 mitten auf den Radwegen installiert, zusätzlich ergänzt um eine Vielzahl von Pollern. Keine Hinweise, keine Warnungen, nichts. Verantwortlich für Planung, Errichtung und „Verkehrssicherung“: Der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz Koblenz, Außenstelle Gerolstein. Verantwortlich für den anschließenden Betrieb: Die zuständigen Verbandsgemeindeverwaltungen. „Das ist doch eine Farce!“ – mögen Sie nun denken. Stimmt! Der nachfolgende Artikel gibt Auskunft.

http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/daun/aktuell/Heute-in-der-Dauner-Zeitung-Das-ist-doch-eine-Farce;art751,745655

Hindernisse“ auf Verkehrswegen gefährden die Verkehrsteilnehmer. Das weiß jeder Teilnehmer im Straßenverkehr – Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr lautet der Rechtsbegriff. Offensichtlich verfügen die verantwortlichen Amtsträger in den Amtsstuben – von den Gemeinde- und Kreisverwaltungen, der Straßenbaubehörde LBM und den Ministerien – nicht über diese Kenntnis. Im Laufe von 11 Jahren ereigneten sich Folge dessen viele und schwere Unfälle. „Die unzulässige Nutzung … insbesondere durch landwirtschaftlichen Verkehr zu verhindern“, damit begründete das zuständige Innenministeriums RLP im Jahre 2013 die Maßnahmen. Unzulässig im Sinne der Definition waren wohl auch Rettungsfahrzeuge, Kindertransportanhänger und Kinderwagen für Zwillinge, denen die Durchfahrt nicht möglich war. Es stellt sich auch hier die ernsthafte Frage, ob Alkohol im Spiel war! Wenn ja, wäre das eine plausible Erklärung. „Schilderpfosten mitten auf einem Radweg sind Hindernisse und grundsätzlich unzulässig …“– diese im Jahre 2009 vom LBM getroffene Feststellung (!) hatte in der Praxis jedoch keine Auswirkung. Das Experiment wurde ungehindert fortgesetzt.

Ein Gutachten des Deutschen Bundestags hat im September 2013 Rechtsklarheit geschaffen. Grund dessen wurde das Experiment beendet. Verkehrsschilder und Poller haben auf Radwegen, die Verkehrswege sind, natürlich nichts verloren – es gilt auch hier die StVO. Rechtlich vorgeschriebene Durchfahrbreiten sind einzuhalten. (Punkt) Die Entfernung der Konstruktionen wurde angewiesen. Inwieweit der Vollzug erfolgt ist, bleibt unbekannt.

Und die Moral von der Geschicht …

Das Märchen von Jürgen Fuchs beschreibt die Wirklichkeit.

Die Bürger sind ständig Experimenten ausgesetzt. Das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler berichtet Jahr für Jahr über eine große Experimentierfreude. Der Grundsatz: No Risk – no Fun! Von den Bürgern geht bekanntlich keine Gefahr aus. Wirtschaftliche und rechtliche Erfordernisse sind häufig ausgeblendet, die Sinnhaftigkeit gerät zur Nebensache. Das Budget ist vorhanden und muss verbraten werden. Auf Teufel komm raus.

Der gleiche Rechtsstaat, der in der Wirtschaft die Einhaltung umfangreicher Rechtsvorschriften zum Schutz der Beschäftigten einfordert, verfügt selbst nicht über gleichwertige Ansätze und Kontrollinstanzen. Das macht den Unterschied, wenn wir kopfschüttelnd die Frage nach dem Sinn von Maßnahmen stellen und diese als gefährlich bewerten. Die einfache Antwort: Ein Experiment am Bürger.

Platt machen – die Warnung im Märchen hat einen tiefen Sinn.

Den Kindern in den Kitas und Schulen werden ständig Schutzhelme auf den Kopf gesetzt. Das Experiment trägt den Namen Schulreform. Unter diesem Begriff wird die Belastbarkeit von Schulen, Lehrern, Eltern, Kindern und Bildung getestet. Davon ist aktuell Baden-Württemberg mit dem „Bildungsreformplan 2015“ betroffen. Viele Eltern, mehr als 192.000, sind damit nicht einverstanden und sagen „Nein zur Ideologie des Regenborgens“. Siehe auch: http://www.bildungsplan2015.de/petition/ Die Flöhe wehren sich. Na also!

Die Einführung des generischen Femininums an Universitäten führt den Bildungs- und Forschungsauftrag ad absurdum, sprachlicher Weiberfasching in Reinkultur. Die Einführung von Unisex-Toiletten – gleiche Einrichtung für beide Geschlechter – ist wohl der nächste Schritt. Wer es sich gefallen lässt?

Schilderpfosten und Poller mitten auf Radwegen – die Fiktion des Märchens wurde zur realen Wirklichkeit. Der Vorgang offenbart die erschreckende Inkompetenz der Straßenbaubehörde LBM Rheinland-Pfalz. Der eigentliche Skandal erschließt sich in der fortgesetzten Duldung und ausdrücklichen Rechtfertigung des Zustands durch die beteiligten Amtsstuben bis hinauf in die Landesregierung. Bedarf es zukünftig des Deutschen Bundestags, damit Radwege rechtskonform gestaltet und Bürger nicht wie Flöhe behandelt werden?

Der Schweizer Publizist Roger Köppel brachte es in der Sendung „Hart aber Fair“ bei Frank Plasberg auf den Punkt: „Das Volk ist der Chef!“ Nehmen wir einmal an – nur für einen kurzen Moment – diese Aussage gelte auch für unser Land, an Universitäten, auf Radwegen, in Schulen … einfach überall? Welch wunderbare Aussicht … leider wohl nur ein Märchen?

Die Experimente gehen weiter – nun sind die Autofahrer Gegenstand des Interesses. Wenn auch Sie ein Auto besitzen, dann starten Sie bitte unbedingt die folgenden Links.

http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/rheinlandpfalz/rheinland/Rheinland-Pfalz-und-Nachbarn-Gutachten-zur-Hochmoselbruecke-wird-wegen-Bohrungen-teurer;art158726,3788730

http://pro-mosel.de/rindex.html?html/presse/leserbriefe.html

Heinz LORSE, März 2014

P. S.

Wenn Sie bei Ihrem nächsten Ausflug auf einem Radweg – irgendwo in Deutschland – auf Verkehrsschilder und Poller mitten auf dem Radweg (an)stoßen, dann … na, Sie wissen schon, erinnern Sie sich bitte an das Märchen vom Erbe der Flöhe.

Heinz LORSE

Heinz LORSE

Heinz Lorse ist ein deutscher Experte für Strategische Unternehmensführung, Strategische Unternehmenssicherheit & Unternehmensschutz, integrale Berechtigungsmanagement- und Zugangssysteme, internationale Standards [IFS Food, C-TPAT]). Er verfügt über eine langjährige Führungserfahrung bei einem Marktführer der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Im Anschluss an seinen Wechsel in den Ruhestand ist er als Redakteur und Gastautor tätig.


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